Interview: Künstliche Intelligenz bei Versicherungen

„Entweder wir surfen auf der Welle, oder wir werden von ihr überrollt“

 

Im Interview:

 

                   

Armin Christofori                                                                Simon Moser
CEO der  SDV AG                                                                       Gründer des Start-ups Muffin

www.sdv.ag                                                                                  www.muffintech.ai

 

Armin Christofori, CEO der SDV AG, und Simon Moser, Gründer des Start-ups für Künstliche Intelligenz Muffin, sprachen über die Veränderungen durch die neue Technologie – und welche Chancen sich daraus ergeben.

Das Thema Künstliche Intelligenz ist momentan in aller Munde. Was bedeutet das für die Ver­sicherungsbranche?

Armin Christofori: Die Künstliche Intelligenz wird alles auf den Kopf stellen und der Gamechanger schlechthin sein. Damit wird es für unsere Mitarbeiter einen Kollegen geben, der mit Rat und Tat zur Seite steht und repetitive Aufgaben ohne Murren übernimmt – und das 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Viele Routineanfragen können und werden demnächst von einer Künstlichen Intelligenz bearbeitet. Dabei werden keine Menschen in ihren Jobs in der Versicherungswirtschaft wirklich ersetzt. Denn Fakt ist, dass auch unsere Branche mit großen Nachwuchsproblemen kämpft. Und anstatt sich mit standardisierten Prozessen aufzuhalten, können sich die Fachkräfte um schwierigere Themen kümmern, bei denen die KI an ihre Grenzen stößt.

In welchen Bereichen lässt sich die KI besonders gut und zeitnah einsetzen?

Simon Moser: Alle Anfragen per E-Mail mit Standardfragen oder Standardanliegen, wie eine Erhöhung der Versicherungssumme, das Ändern des Versicherungsnehmers oder das Ändern von Anschrift, Bankdaten oder Ähnlichem lassen sich ziemlich rasch von einer KI beantworten. Auch im Schadensfall wird es damit deutlich schneller gehen als jetzt. Sobald die KI weiß, welcher Vertrag hinter der Meldung steckt, kann sie den Fall bearbeiten. Für Versicherer, Pools und Makler eröffnen sich hier neue Wege für die User Experience.

Was genau heißt das für die SDV AG?

Armin Christofori: Wir beschäftigen uns seit rund einem Jahr sehr intensiv mit den Möglichkeiten, die sich für uns ergeben. Im ersten Schritt werden wir bei der SDV AG und unserem Tochterunternehmen, der Manufaktur Augsburg mit der Künstlichen Intelligenz arbeiten. Dort sehen wir zunächst die größten Hebel. Eine Q&A für die SDV AG und die Versicherungsbedingungen der ManAug werden momentan eingespeist.

Simon Moser: Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, alles für die beiden Unternehmen umzusetzen. Damit versetzt sich die SDV AG in die Lage, im Innendienst die KI als Unterstützung zu erhalten, um bei Fragen noch viel schneller und präziser Auskunft geben zu können als bisher. Die KI ersetzt keine Mitarbeitenden. Vielmehr nimmt sie den Kollegen Routineaufgaben ab, die Zeit und Ressourcen binden, die sinnvoller bei anderen Aufgaben eingesetzt werden könnten.

Wie wird diese neue Art der Kommunikation aussehen?

Simon Moser: Messenger werden künftig eine größere Rolle spielen. Apps werden dagegen viel weniger genutzt. Die Kommunikationswege werden sich einmal mehr komplett verändern. Allerdings möchte ich ausdrücklich sagen, dass wir nicht glauben, eine Versicherungsberatung könne komplett von einer KI übernommen werden. Unserer Meinung nach geht es über in ein hybrides Modell.

Armin Christofori: In der Bestandsbearbeitung sehen wir für den Makler zunächst die größten Potenziale. Wir unterstützen unsere Kooperationspartner seit Jahren dabei, ihre Bestandsdaten zu digitalisieren. Hier stecken das Potenzial und der Erfolg jedes Maklerunternehmens. Und werden Leads dazugekauft, unterstützt die KI. So kann sie automatisch Kontakt aufnehmen und Angebote beziehungsweise Hinweise zu Versicherungsverträgen versenden.

Wo gibt es die größten Probleme bei der Umsetzung?

Armin Christofori: Der Datenschutz stellt sich als größte Schwierigkeit heraus. Die Datenschutz-Grundverordnung hemmt aktuell viele Aktionen. Wenn Deutschland nicht aufpasst, werden wir den Anschluss bei dieser Technologie verlieren. Denn bereits jetzt wandern Unternehmen in andere Länder ab, weil die Bedingungen dort einfacher sind.

Wie können Makler die KI für sich einsetzen?

Simon Moser: Für die gesamte Geschäftskommunikation können Makler die KI nutzen, am besten natürlich, wenn sie sich dafür an einen Maklerpool, wie die SDV AG, anbinden. Der eigentliche Schatz und die Grundlage sind, wie Herr Christofori bereits sagte, die Daten jedes Maklers. Einmal mehr ist es unerlässlich, alle Daten zu pflegen und vor allem in digitaler Form aufzubereiten.

Armin Christofori: Es steckt eine enorme Chance für alle hinter dieser Entwicklung, die auf jeden Fall als disruptiv anzusehen ist. Wir können entweder auf dieser Welle surfen, oder wir werden von ihr überrollt. Die Entscheidung muss jeder für sich treffen, an der Welle vorbei kommt jedenfalls niemand.